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Aynjesar
Kein Volk könnte die dunkelsten Seiten Syans besser in sich vereinen als die Aynjesar, diejenigen seiner Kinder, zu deren Geburt ihn der Schatten in Gestalt einer schönen Frau verführt hat. Leise, giftige Worte hat der Schatten in das Ohr des Gottes geflüstert. Worte, die ihn von der Untreue Amar'yienas überzeugten und das Verlangen in ihm erweckten, sich an ihr und ihren gemeinsamen Kindern zu rächen.
So entstand das kleine Volk der Aynjesar, die Kinder des Schattens, deren wahre Gestalt stets im Verborgenen bleibt und die den Al'yiena heimlich ihre Schönheit zu stehlen vermögen, um ihre eigene davon zu nähren.
Ja, die Männer der Aynjesar besitzen eine Attraktivität, die ihresgleichen sucht. Geheimnisvoll und dunkel sind sie die geborenen Verführer, die stets ein charmantes Lächeln auf den Lippen tragen, wenn es ein Opfer zu verführen gilt. Ihre Frauen hingegen, sind unscheinbar und blass. Weder mit der scharfen Intelligenz, noch mit dem glänzenden Aussehen ihrer Männer gesegnet, fristen sie ein Leben im Schatten und ergeben sich ihrem Schicksal und den Aufgaben, die die Männer ihnen auferlegen.
Doch die Schönheit eines Aynjesar ist keineswegs eines vollkommen natürlichen Ursprunges. So muss sie ständig erneuert werden und die Methoden dieser Erneuerung sind grausam für die Quellen, die sie dazu ausschöpfen
Denn ein Aynjesar nährt sein eigenes Äußeres von der Schönheit - und welches Volk wäre dafür ein besseres Opfer, als die Al'yiena? So verführen die Aynjesar die schönsten Frauen, die sie auf dem Angesicht Shaylin'sayas zu finden vermögen und je länger sie an ihrer Seite bleiben, desto mehr verblasst und verdorrt ihre Schönheit, während die Aynjesar aufblühen.
Tatsächlich hat dies recht wenig mit ihrer persönlichen Eitelkeit zu tun, sondern entspringt einer gewissen Notwendigkeit, da die Attraktivität eines Aynjesar mit jedem Verstreichen eines Mondes schwindet und seine wahre Gestalt zum Vorschein bringt. Diese ähnelt einer alptraumhaften Gestalt mit monströsen Gesichtszügen und den schwarzen Flügeln einer Fledermaus, die aus ihrem Rücken ragt.
Dieser Vorgang erstreckt sich über einen Zeitraum von sechs Monden und ist mit dem Ablauf des sechsten Mondes beendet, kann dann auch nicht mehr umgekehrt werden.
Um diese unangenehme Art des langsamen Verfalls aufzuhalten, ist ein Aynjesar ständig dazu gezwungen, die Gesellschaft einer möglichst attraktiven Frau zu suchen und sich von ihrer Schönheit zu nähren, indem er sich körperlich mit ihr vereinigt. Bei diesem Akt saugt ein Aynjesar förmlich die Schönheit aus seinem Opfer heraus - zunächst womöglich nur einen Teil, später Stück für Stück mehr, je nachdem, wie hungrig er in diesem Augenblick ist. Und je schöner seine Auserwählte anzusehen ist, desto besser ist sie als Quelle für den hungrigen Aynjesar.
Das Opfer hingegen, verliert schließlich mit jedem weiteren Akt an Attraktivität, bis es kaum mehr von einer weiblichen Aynjesar zu unterscheiden ist. Zurück bleibt nur eine graue Hülle ohne jede Erinnerung an den früheren Glanz.
Ein solches Tun bleibt sicherlich auf Dauer nicht verborgen - doch der Schatten hat gut für seine Kinder gesorgt und Syan dazu veranlasst, den Aynjesar eine weitere Eigenschaft zu geben. So können sie mit einem einzigen Wort gleichsam aus der Erinnerung all jener verschwinden, die sie gekannt haben, als hätten sie niemals existiert. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die Aynjesar für die anderen Völker Shaylin'sayas nicht mehr sind, als ein besonders attraktives Volk, das das bergige Land Aynara bevölkert und bei dem die Frauen auf eine seltsame Art und Weise weitaus weniger klug und angenehm anzuschauen sind, als die Männer...
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