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Die Ashai

Einen Ashai blickt man nicht gerne an, was verwunderlich ist, wenn man sich eines dieser über alle Maßen schönen Wesen ansieht. Doch es sind die Gefühle, die sie in den anderen Wesen Shaylin’sayas hervorrufen, die die meisten den Blick abwenden lässt, sobald ein Ashai vorübergleitet.
Über die Jahrhunderte hat sich bei den Bewohnern Shaylin’sayas der Glauben eingebürgert, dass es Unglück bringt, wenn man einen Ashai am Himmel erblickt, was jedoch allein auf den Aberglauben zurückzuführen und nicht auf ein Geschehnis, das wirklich stattgefunden hat.
So bleibt das Volk der Ashai also lieber in seinen eigenen Städten und Dörfern unter den anderen Angehörigen dieser erstaunlichen Spezies.
Doch woher kommt dieser Aberglaube und was sind die Ashai? Unverständlich wirken die Reaktionen der anderen Völker auf diese geflügelten Wesen mit den großen, traurigen Augen und doch sind genau diese Augen und die Aura eines Ashai genau das, was anderen Angst einflößt, kann ein jeder doch darin seine Zukunft erblicken.
Zudem trägt jeder Ashai eine Aura der tiefen Traurigkeit mit sich, der den Ursprung in der Bürde besitzt, die diese Wesen tragen müssen, sehen sie doch wie Freunde ihr Leben verlieren und Unglück erleiden werden, den Niedergang eines Reiches, Kriege. Nur selten sind es fröhliche und schöne Dinge, die sie in ihren Visionen erblicken.
Ja, die Ashai sind ein Volk von talentierten Sehern, denen diese Gabe in die Wiege gelegt worden ist und die schon sehr bald in ihrem Leben erfahren müssen, welcher Fluch auf ihnen liegt. Denn kein Ashai darf die Zukunft, die er erblickt aus eigener Kraft verändern. Beobachter sind sie, die nicht eingreifen dürfen, selbst dann, wenn es um das Wesen geht, das sie aus tiefstem Herzen lieben. Lediglich seine eigene Zukunft wird er niemals erfahren, da sie vor seinen Augen verborgen bleibt.
So haben sich die Ashai immer mehr von den anderen Völkern entfernt, deren Schicksal für sie doch so nahe ist und ihre Heimat wird selten besucht, obgleich diese schwebenden Städte aus weißem Marmor, die sich hoch in den Himmel erheben ein Anblick sind, den man niemals vergisst.
Die Ashai sind die Hüter des Wissens – des Wissens aus der Vergangenheit ebenso, wie des Wissens aus der Zukunft und so haben sie große Bibliotheken erbaut, in denen man jedes Ereignis aus der Vergangenheit nachlesen kann und in denen es eine Abschrift jeder Schriftrolle und jedes Buches gibt, die jemals auf Shaylin’saya existiert haben.
Doch noch mehr gibt es bei den Ashai zu erblicken, doch es ist verbotenes Wissen, das niemand, außer einem Bund von Auserwählten des Volkes jemals zu Gesicht bekommen darf. Denn in Avarié’Valar, jener großen Stadt, die die Ashai als die Wiege allen Wissens bezeichnen, wurde am Anbeginn der Welt die Verbotene Bibliothek errichtet. Keine Bibliothek, die das Wissen der Vergangenheit beinhaltet und von jenen besucht wird, denen es nach Erleuchtung dürstet, sondern ein Ort, an dem das Wissen um die Zukunft mit jeder einzelnen Vision bewahrt wird, die jemals einem Ashai zuteil geworden ist. Schwarze Mauern, die von einer uralten Magie geschützt werden, verdunkeln das Bild dieser weißen Stadt und nur die wenigsten wissen, was sich dahinter befindet. Allein die Hüterin der Zukunft, von Syan selbst für diese Aufgabe auserwählt, kennt und sieht jede Vision, die ein Ashai durchlebt und schreibt diese nieder. Eine Aufgabe, die schwer auf den Schultern der Auserwählten lastet und ihr ein eigenes Leben in Freiheit versagt.
Doch nicht nur die Auserwählte führt ein einsames Leben. Auch die anderen Ashai meiden tiefe Bindungen, wenn es ihnen möglich ist und Familien sind bei diesem Volke selten anzutreffen. Beinahe jeder Ashai lebt allein und trägt sein Schicksal in Einsamkeit. Zuviel Angst lebt in ihren Herzen, Angst, das Schicksal eines Geliebten zu erblicken. Angst, dass er sein Schicksal in seinen Augen erblicken wird.

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