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Adeni Lhor'say, Prinzessin der Sarani
Adeni Lhor'say besitzt die Schönheit der Al'yiena. Daran kann kein Zweifel bestehen, wenn man die wunderschöne Frau mit dem kastanienfarbenen, gewellten Haar, den tief dunkelbraunen Augen und den vollen, roten Lippen zu Gesicht bekommt. Und doch gehört sie keineswegs diesem kriegerischen Volk an. Nein, Adeni entstammt den Sarani, obgleich sie sicherlich eine höchst ungewöhnliche Vertreterin dieses Volkes ist. Denn wie schon den Prinzen und Prinzessinnen vor ihr, hat Syan der Sarani ein eigenes Gesicht und einen eigenen Körper geschenkt und sie damit von dem Fluch ihres Volkes befreit - zumindest so lange, bis ihr Platz durch einen anderen Sarani ersetzt wird.
So verwundert es nicht, dass Adeni alles daran setzt, ihre Stellung nicht zu verlieren - denn niemals möchte die Sarani wieder in die Gesichtslosigkeit zurück gleiten, koste es was es wolle. Und auch das Amt einer Hochprinzessin lässt sie dabei nicht vor Methoden zurückschrecken, die niemals geduldet würden, kämen sie denn an das Licht des Tages.
Adeni ist eine kluge Frau, deren Auftreten stets perfekt der jeweiligen Situation angepasst ist. Sie hat das Talent ihres Volkes, in die Haut eines anderen zu schlüpfen und dessen Persönlichkeit zu seiner eigenen zu machen, auf eine ganz andere Weise perfektioniert. So ist Adeni also eine begnadete Schauspielerin, die ihre wahren Gefühle hinter einer Maske verbergen kann, die niemand zu durchschauen vermag. Freude, Trauer, Amüsement oder Zorn - Adeni vermag es stets, genau das zu heucheln, was ihr angemessen erscheint, ohne dieses Gefühl tatsächlich zu verspüren. So könnte sie mit einem kühlen Lächeln einen Rivalen vergiften, nachdem sie ihn gekonnt verführt hat - nur um bei der Entdeckung seines Todes ein herzzerreißendes Bild des Jammers abzugeben.
Ja, Adeni Lhor'say ist eine Frau mit Zielen und eines davon ist es sicherlich, Zeit ihres Lebens nie mehr wieder den schönen Körper zu verlassen, den Syan ihr geschenkt hat. Wie gut, dass die Sarani es vermag, die Massen zu verzaubern und jeden Kritiker mit einem strahlenden Lächeln verstummen zu lassen, um auch die nächste Wahl des Hochprinzen für sich zu entscheiden. Denn Adeni wird sie nur das sehen lassen, was sie in ihr sehen sollen.
Nur in jenen seltenen Nächten, in denen sie einsam in den Seidenlaken ihres luxuriösen Bettes liegt, wird die Sarani von Zweifeln geplagt. Denn ob ihr perfektes Schauspiel ihr noch einen Raum für eine eigene Seele hinterlässt ist fraglich. Weiß Adeni überhaupt noch, wer sie wirklich ist, oder hat sie ihre eigene Persönlichkeit schon lange ihrer Eitelkeit geopfert? Und was wird Syan tun, wenn sie jemals den Fehler macht, ihn zu deutlich sehen zu lassen, was aus ihr geworden ist?
Doch wenn Ashas Strahlen das silberne Licht des Mondes aus ihrem Gemach schwinden lässt, erwacht auch Adeni Lhor'say zu neuem Leben. Dann erscheint sie in ihren makellosen, von Rubinen aus Merasi geschmückten, roten Seidengewändern bei Hofe und kümmert sich erneut um die Belange ihres Volkes, bis sie sich in den Nächten auf den nie enden wollenden Festen in Mira'Skarith einen neuen Liebhaber sucht, um die Nacht nicht allein verbringen zu müssen.
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