Hochkönige und -prinzen

Als die Götter Shaylin'saya erschufen, erwählte ein jeder von ihnen eines seiner Kinder, das fortan über die anderen wachen sollte. So gab Dianare die Macht der Sterne an Kilayi, die weiseste und stärkste unter den Shil'varenn. Sie wurde die erste Hochkönigin Mora'veas und begründete eine lange und machtvolle Linie von Abkömmlingen dieses Volkes, die seither über den Kontinent der Sternengöttin wachen.
Auch Asha hatte schnell entschieden, welchem ihrer Kinder die Ehre zuteil werden sollte, als Hochkönig über die Völker Valan'veas zu herrschen. Ihre Wahl fiel auf Aron, den stärksten und tapfersten Krieger der Dar'sshin, der noch niemals in einem Kampf zu ihren Ehren versagt hatte. Asha kümmerte es nicht, ob ihre Wahl auf das weiseste ihrer Kinder gefallen war, denn Arons Stärke erschien ihr das größte Gut, das notwendig war, um die Sicherheit Valan'veas zu wahren.
Es braucht lange und oftmals schmerzvolle Jahre, bis aus dem aufbrausenden Krieger Aron ein weiser und gerechter König geworden war, doch am Ende gelang es ihm, ebenso wie Kilayi, eine starke Blutlinie zu begründen, die bislang allen Angriffen widerstanden hat.
Syan jedoch überraschte seine Geschwister mit seiner Wahl, den er erwählte die Schönste der Al'yiena, anstatt den stärksten Krieger der Mas'Turak oder den klügsten der Ashai. I'syare wurde damit die erste Mondkönigin Sidan'veas und es brauchte eine lange Zeit und die Anleitung Syans, bis die Mas'Turak sie als ihre Herrscherin anerkannten. Insbesondere einer der Mas'Turak, ein Mann, der bei seinem Volk als Luchsauge bekannt war und seinerzeit als Prinz der Mas'Turak diente, leistete I'syare erbitterten Widerstand, da er keine Frau auf dem Thron des Mondherrschers dulden wollte. Viel Leid erwuchs aus dieser Haltung und noch heute sind diese Geschehnisse der Grund für die Kämpfe zwischen den Al'yiena und den Mas'Turak. In der heutigen Zeit haben die Mas'Turak jedoch gelernt, mit der Mondkönigin zu leben und sie nicht als Al'yiena, sondern als Dienerin Syans anzusehen.

Natürlich fällt es nicht allen Völkern leicht, die Wahl der Götter zu akzeptieren - die Hochkönige werden für gewöhnlich zwar nicht mehr zu den Völkern gezählt, von denen sie abstammen, doch es gibt immer wieder Herausforderungen und Spannungen, die bewältigt werden müssen.
Ein Hochkönig gilt als Arm und Stimme seines Gottes und darf als solches auch nicht in Frage gestellt werden, so lange er nichts tut, um dies zu rechtfertigen. Er ist dazu verpflichtet, die Kinder seines Gottes zu schützen und sie als gleich anzusehen und zu behandeln.
Ebenso ist er dazu verpflichtet, seiner Gottheit treu zu dienen und den Frieden mit den Völkern der anderen Kontinente zu wahren. Natürlich hält dies die Hochkönige nicht davon ab, hinter den Kulissen zu spionieren und zu intrigieren - es darf jedoch keinesfalls offen geschehen, ansonsten verlöre der Hochkönig sein Gesicht und müsste seinen Thron aufgeben.
Die Hochkönige herrschen gewöhnlicherweise bis zu ihrem Tode, können jedoch auch frühzeitig abdanken.
Ihre Nachfolge treten gemeinhin ihre leiblichen Kinder, oder aber andere Mitglieder der Familie getreu einer bestimmten Rangfolge an, wenn der Hochkönig kinderlos bleiben sollte oder die Nachkommen einen frühzeitigen Tod finden. Es gilt bei allen Völkern Shaylin'sayas als schlechtes Omen, wenn der Hochkönig oder die Hochkönigin kinderlos bleiben.
Sollte der Fall eintreten, dass keines der Mitglieder der königlichen Familie in der Lage ist, die Thronfolge anzutreten, müsste eine Wahl unter den Prinzen der Völker getroffen werden. Zu diesem Zweck wäre es erforderlich, dass sich alle Prinzen und Prinzessinnen in dem Haupttempel ihres Gottes versammeln und dort für die Dauer von zwei Wochen ausharren, beten und sich seinen Prüfungen stellen, um sich als Hochkönig oder -königin würdig zu erweisen. Nach Ablauf dieser Zeit wird die Gottheit ihre Wahl treffen.
Dieser Fall ist jedoch seit Anbeginn Shaylin'sayas noch nicht eingetreten - man kann jedoch davon ausgehen, dass dies unter den Konkurrenten vielerlei Ereignisse in Gang setzen würde. Natürlich gilt es hier zu beachten, dass die Götter launisch sind und womöglich keinen der Prinzen und Prinzessinnen erwählen würden - in diesem Falle wäre keiner von ihnen würdig gewesen und ein vollkommen neuer Hochkönig würde unter den Völkern des Kontinents berufen werden.

Direkt unter den Hochkönigen folgen die Prinzen und Prinzessinnen der Völker. Als die Hochkönige berufen wurden, erwählten die Völker Shaylin'sayas denjenigen unter ihnen, der fortan in ihrem Namen zu dem Hochkönig sprechen sollte. Es war jedem möglich, sich zu dieser Wahl zu stellen, wenn er es wagte, sich den Prüfungen zu stellen, die von den Bewerbern bewältigt werden mussten.
Auch heute gibt es noch dieses Ritual der Wahl des Prinzen, auch wenn es sich in der Ausführung von jener ersten Wahl in einigen Punkten unterscheidet.
Wenn die Jahreszeiten fünf Mal abgelaufen sind, treten die Herrscher der Völker, jene, die die Stämme führen oder die Städte und Zusammenschlüsse regieren, in der Mitte des Jahreszeitenablaufes zusammen, um einen neuen Hochprinzen zu erwählen. Dieser gilt dann als die Stimme des Volkes und reist an den Hof des Hochkönigs, um dort die Interessen seines Volkes zu vertreten.
Noch immer müssen dazu vielzählige Prüfungen absolviert werden, an deren Ende jene Wahl stattfindet und noch immer darf sich jeder stellen. Allerdings geschieht dies schon lange nicht mehr auf die unschuldige Art und Weise, die die erste Wahl der Prinzen auszeichnete. Für gewöhnlich stellen sich also jene dieser Wahl, die von ihren Herrschern favorisiert werden und von denen sie sich bei Hofe den größten Vorteil und Einfluss erhoffen. Natürlich legen auch die Prinzen einen Eid ab, wenn sie ihr Amt antreten - allerdings ist dieser schwächer und bindet sie nicht so stark, wie der Eid eines Hochkönigs.
Natürlich wird der Favorit dann auch tatkräftig unterstützt, die Prüfungen manipuliert und Konkurrenten ausgeschaltet, die seiner Wahl womöglich im Wege stehen. Doch hier ist Vorsicht geboten - denn die Götter dulden zwar vieles, greifen jedoch ein, wenn es nötig wird.
Nach dieser Wahl müssen die erwählten Prinzen und Prinzessinnen für ein Jahr dem Orakel auf Valorin'vea dienen und stehen in dieser Zeit unter einem Zauber, der ihnen das Bewusstsein dafür raubt, welchem Volke die anderen Diener des Orakels angehören. Das Orakel lehrt sie Neutralität, Bescheidenheit und Gerechtigkeit - was jedoch nicht bei jedem auf fruchtbaren Boden fällt. Erst nach dieser Zeit treten sie ihren Dienst am Hofe des Hochkönigs an, dem sie als Berater und Fürsprecher ihres Volkes dienen.
Direkt unter den Hochprinzen folgen die Stammesführer bzw. die Herrscher einzelner Regionen, die gemeinsam einen Rat oder einen anderen Zusammenschluss bilden. Der Name dieses Rates unterscheidet sich von Volk zu Volk und seine Angehörigen, sowie seine Struktur variieren je nach dem Volk, von dem er gebildet wird. Alles in allem kann man hierbei festlegen, dass jedes Volk einen Zusammenschluss von Individuen besitzt, die aus irgendeinem Grund, seien es Geburt, Alter, Stärke oder Weisheit, als herrschend bzw. führend angesehen wird und dass es jene sind, die denen schließlich die Wahl des Hochprinzen obliegt.
Dieser Rat tritt zweimal in jedem Ablauf der Jahreszeiten in der Hauptstadt des Kontinentes zusammen, um Entscheidungen zu treffen und allerlei Verhandlungen zu führen. Auch der Hochprinz muss natürlich zu diesem Zusammentreffen erscheinen. Anders als die Hochkönige, die nur den Göttern dienen, ist er schließlich seinem Volk Rechenschaft schuldig und muss sich nach seinen Wünschen richten.

<< Zur Übersicht