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Das Wesen des Schattens
Wer ist der Schatten? Was ist es? Kann man es greifen? Welche Wesenheit steckt dahinter? Es wäre sicherlich schwer für die Philosophen Shaylin'sayas, eine Antwort darauf zu finden und nur das Orakel kennt die Wahrheit über dieses Wesen, dass die ganze Welt verändert hat, ohne dass man sich seiner Existenz überhaupt bewusst ist.
Kein Wesen Shaylin'sayas kennt den Schatten oder hat auch nur die geringste Kenntnis darüber, dass ein solcher überhaupt existiert. Nicht einmal die Götter kennen das, was dahinter steht oder würden ihn jemals als Schatten bezeichnen. Das Orakel spricht des öfteren von einem Schatten, der über die Welt gefallen ist - aber wer würde schon annehmen, dass es von einem eigenen Wesen spricht? Ist man schließlich nicht die seltsame Sprache des Orakels gewohnt, dass niemals direkt etwas aussprechen kann? Der Schatten? Nun, ein Bewohner Shaylin'sayas würde demnach davon ausgehen, dass die Welt sich insgesamt verdüstert hat und dass eine Gefahr droht. Natürlich ist dies keine falsche Annahme, doch sie macht es schwer, wirklich zu erkennen, was auf der Welt geschehen ist.
Woher kommt er also, dieser geheimnisvolle Schatten, der es vollbracht hat, die Götter unter seinen Einfluß zu bringen? Dies lässt darauf schließen, dass es sich hierbei selbst um eine Gottheit handelt, oder etwa nicht?
Nun, der Schatten ist zwar selbst keine Gottheit und seine Macht ist sehr eingeschränkt, wenn man von seiner flinken Zunge absieht, mit der er die Götter betört hat, doch daran, dass er aus dem Göttlichen entsprungen ist, besteht kein Zweifel.
Schon immer hatten Asha, Dianare und Syan eigene Interessen, die sie nicht mit ihren Geschwistern teilten wollten. Dunkle Gedanken und Sehnsüchte, Träume von Macht und davon, der einzig über Shaylin'saya herrschende Gott zu sein.
Und genau diese Sehnsüchte sind es, die das Wesen des Schattens haben entstehen lassen, denn er ist aus den dunklen Wünschen und Gedanken der Geschwister hervorgegangen. Damit ist er also ein ähnliches Wesen wie das Orakel, besitzt jedoch weitaus weniger Macht als dieses, da er nicht absichtlich entstanden ist.
So ist der Schatten eine Art Gegenpol zu dem absolut neutralen Orakel, der jedoch direkten Einfluß auf die Götter nimmt. Eine tragische Gestalt im Grunde, die das Verlangen nach Macht verspürt, ohne jedoch zu wissen welchen Grund sie dafür hat.
Der Schatten hat keinerlei schöpferische Fähigkeiten. Er kann lediglich imitieren, aber niemals selbst etwas erschaffen, für dass es kein Vorbild gibt. So sind die drei Völker des Schattens seine Versuche, das Volk eines jeden Gottes zu imitieren, dass er als das Mächtigste erachtet. Enstanden aus dem Wunsch, selbst etwas in der Welt zu bewegen - ein Versuch, der jedoch von Beginn an zum Scheitern verurteilt war. So kann der Schatten also nichts, was nicht einer der Götter, aus denen er entstanden ist, zuvor ins Leben gerufen hat. Seine einzige, wirkliche Macht liegt in seinem Talent, die dunkelsten Wünsche der Götter in Einflüsterungen zu verwandeln, Unfrieden und Zwietracht zu säen, um sie seinem Willen zu unterwerfen.
Der Schatten hat im Grunde keine wirkliche, körperliche Gestalt. Durch Syans Macht vermag er es jedoch, die Gestalt anzunehmen, die sein auserkorenes Opfer am Liebsten sehen möchte. Diese kann er nicht beeinflussen, da sie ebenso wie er selbst nur aus reinen Gedanken und Vorstellungen der Götter besteht, die sich verdichten und dann eine lebendige Wunschvorstellungen bilden.
So achtet der Schatten darauf, niemals in der Gegenwart mehrerer Wesen zu sein, würde er doch von ihnen allen auf unterschiedliche Weise gesehen und wahrgenommen.
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