Vor dem Anbeginn der Zeit, als noch Leere zwischen den Himmelskörpern herrschte, gab es noch keinen Ort, an dem die Kinder von Sonne, Mond und Sternen leben konnten, war doch die Sonne zu heiß, der Mond zu kalt und die Sterne zu weit verstreut in den Weiten des Universums, um wirklich einen Lebensraum zu schaffen.
Lange überlegten die Götter, die sich einsam fühlten und denen die Zeit in ihrer Einsamkeit lang geworden war, wie sie wohl einen Ort erschaffen könnten, dem sie Leben geben konnten, um sich daran zu erfreuen und ein Ventil für ihre Macht zu schaffen, doch sie kamen zu keinem Schluß, schlugen doch all ihre Versuche, die sie ohne die Hilfe der anderen unternahmen fehl und an keinem dieser Orte erblühte das Leben, nach denen es ihnen verlangte.
So ging es für eine lange Zeit, bis Dianare, die Mutter der Sterne, hervortrat und ihren Bruder Syan, den Vater des Mondes und ihre Schwester Asha, die Mutter der Sonne zu sich rief. Viele Differenzen hatten sie ausgetragen, waren Asha und Syan doch zu unterschiedlich, um jemals der gleichen Meinung zu sein, doch wie stets war es am Ende Dianare, die ihre Streitigkeiten besänftigen und Frieden zwischen ihnen stiften konnte.
So wurde in dieser Nacht, in der Sonne, Mond und Sterne gleichermassen hell erstrahlten, ein Entschluss getroffen. Asha, Syan und Dianare würden sich verbünden, um eine Welt zu erschaffen, in der ihre Kinder gemeinsam leben konnten.
Bald gingen die Götter an ihr Werk und verbanden die Macht aus den Strahlen der Sonne, des Mondes und der Sterne, um an der Stelle, an der sie sich berührten einen neuen Stern zu erschaffen, der den Namen Shaylin'saya tragen sollte, Licht des Lebens.
Syan gab diesem neuen Stern, der nun das Universum in sein Strahlen einhüllte, das klare Wasser der Meere, das ihn bedecken würde. Asha ließ mit ihrer Wärme die Landmasse entstehen, auf der bald Pflanzen und Tiere einen Lebensraum gefunden hatten und Dianare sorgte dafür, daß die Mächte ihrer beiden Geschwister miteinander im Einklang blieben und keine von beiden überwog.
Nun endlich konnten die Kinder der Götter einen Lebensraum finden, auf dem sie zu existieren vermochten und Asha, Syan und Dianare sahen wohlwollend auf sie herab und hüteten sie, erfreuten sich an ihrer Vielfalt und ihrem Wachstum. Eine lange Zeit des Friedens folgte der Entstehung Shaylin'sayas, eine Zeit, in der die Kinder der Götter lernten und gediehen, in der Dörfer und Städte gegründet wurden, während die Tage und die Nächte sich abwechselten und keine Zeit des Tages überwog.
Drei Kontinente hatten die Götter entstehen lassen, jeweils einen für jeden von ihnen, damit ein jeder einen Raum für seine eigenen Kinder besitzen sollte - Sidan'vea für die Kinder des Syan, Valan'vea für die Kinder der Asha und Mora'vea für die Kinder Dianares.
Ein jeder der Kontinente besaß die Form, die den Himmelskörpern nachgebildet war, zu denen sie gehörten und für eine lange Zeit waren die Kinder so sehr mit Lernen und dem Staunen über das Wissen beschäftigt, daß sie den anderen ihren Lebensraum nicht neideten. Doch als sie schließlich genügend über ihren eigenen Teil der Welt gelernt hatten , begannen sie nach mehr zu trachten und Asha, Syan und Dianare mussten voller Enttäuschung mit ansehen, wie sich ihre Kinder zu bekriegen begannen und sie erkannten, daß es an der Zeit war, eine neue Ordnung einzuführen, die ihr Leben miteinander regeln würde, auf dass das Gleichgewicht Shaylin'sayas nicht gestört würde.
So betrachteten sie ihre Kinder für eine Weile, bis jeder seine Entscheidung getroffen hatte und das Weiseste unter ihnen auserwählt hatte, das von nun an über seinen Teil Shaylin'sayas herrschen sollte, um die anderen anzuleiten.
Danach traten die Götter noch ein weiteres Mal zusammen, um mit ihrer vereinten Macht eine letzte Landmasse zu erschaffen - die Insel Valorin'vea zwischen den Kontinenten, auf der das große Orakel zum Leben erwachte, eine geheimnisvolle Wesenheit, die in die Zukunft blicken konnte und deren absolute Neutralität dafür sorgen sollte, daß für alle Zeiten Frieden in Shaylin'saya herrschen würde.
Weitere Kinder wurden auserwählt, die den Herrschern Shaylin'sayas dienen sollten und ihnen dabei zur Seite standen, ihre Lande zu regieren und den Frieden zu bewahren. Von nun an sollte jeder dieser Prinzen und jede der Prinzessinnen Shaylin'sayas für ein Jahr dem Orakel auf der Insel Valorin'vea treu dienen, ohne zu wissen wer sich ebenfalls auf der Insel befand, um ihre Treue und Neutralität zu sichern. Frieden kehrte wieder in der Welt des Lichts ein, währte jedoch nur für eine kurze Zeit.
Ein fremder, unheimlicher Schatten fiel über Shaylin'saya und obwohl das Orakel in seiner rätselhaften Sprache davor warnte, daß bald erneut Zwietracht und Streit über die Welt kommen würde, taten die Götter nichts und ließen den Ruf des Orakels ungehört verklingen, denn der Schatten hatte bereits ihre Herzen berührt und vergiftet, lange bevor das Orakel seine Anwesenheit auf Shaylin'saya spüren konnte.
Der Schatten näherte sich der Sonne, dem Mond und den Sternen, flüsterte Asha, Syan und Dianare giftige Worte in das Ohr, verführte sie in der Gestalt, die sie sich am meisten zu sehen wünschten und versprach ihnen die Erfüllung ihrer geheimsten Wünsche und Sehnsüchte. Für eine Weile konnte Dianare dem fremden Wesen widerstehen und den Einfluß auf ihre Geschwister zurückdrängen, doch auch sie besaß nicht die Macht, den Schatten endgültig zu vertreiben, bevor sie ihm selbst verfallen war.
Langsam und stetig verrichtete der Schatten seine Arbeit. Von Macht erzählte er und von dem Glanz den die Götter erreichen konnten, ein jeder für sich allein ohne seine Geschwister, die nur alles für sich allein besitzen wollten und so begannen sie damit, sich mit Mißtrauen zu begegnen und Ränke zu schmieden, wie die ganze Welt und ihre Völker ihnen allein gehören konnte.
Shaylin'saya veränderte sich erneut, als der Schatten darüber kroch und seine Zwietracht unter den Kindern von Sonne, Mond und Sternen säte. Es war diesmal ein anderer Streit als zuvor, denn er wurde nicht offen ausgetragen, sondern mit Hilfe von Intrigen gesteuert und im Verborgenen genährt. Allein das Orakel besaß nun noch die Macht, den Schatten zu vertreiben und die Insel blieb neutrales Gebiet, auf dem sich die Kinder Shaylin'sayas ohne Vorurteile bewegen konnten. Die alten Traditionen blieben erhalten, da es niemand wagte, sich offen dagegen zu stellen und so blieb das Licht der Hoffnung auf Frieden noch immer erhalten, auch wenn die Zeiten dunkler geworden waren.

Und dies ist Shaylin'saya nun im Jahre 1242 seit der Erschaffung des Orakels. Der Schatten, jenes Wesen, dessen wahre Form niemandem bekannt ist, beherrscht das Land noch immer auf seine Weise und sät mit Hilfe seiner eigenen Kinder und seiner Anhänger Zwietracht, während die Götter einander mißtrauen und nach der Vergrößerung ihrer Machtgebiete trachten.
Das Orakel wird von allen gefürchtet, entstand es doch seinerzeit aus der Macht der vereinten Götter und besonders seine Prophezeiung, daß ein großer König geboren werden wird, der die Macht hat, die Völker wieder zu vereinen, bereitet den jetzigen Herrschern, die ihre Macht nicht einbüßen möchten, Kopfzerbrechen. Dieses Ereignis muss mit allen Mitteln verhindert werden und so schlagen sie jeglichen erdenklichen Weg ein, um mehr über diese Prophezeiung zu erfahren, denn sicherlich muss das Orakel wissen, wer dieser König sein wird und wer ihn zur Welt bringen wird.
Nur die wenigsten würden wohl vermuten, daß ausgerechnet zwischen Prinzessin Lin'asha, der Tochter der Mondkönigin und Prinz Saro, dem Sohn des Sonnenkönigs die ersten Knospen einer großen Liebe erblüht sind, während sie gemeinsam dem Orakel dienen. Schließlich wurden beide dazu erzogen, dem anderen keinesfalls zu vertrauen und in ihm einen Feind zu sehen - doch in der Anonymität und Neutralität der Insel haben solcherlei Dinge keine Bedeutung mehr.